Europas führende Modekonzerne wie LVMH und Kering leiden unter der Konsumflaute Chinas und strengen Steuerkontrollen. Neue Zahlen legen die Einbußen offen.
Über Jahrzehnte hinweg galt der chinesische Markt als verlässlicher Wachstumsmotor für die internationale Luxusgüterindustrie. Jüngste Marktdaten zeigen nun jedoch einen spürbaren Dämpfer im Reich der Mitte: Der Umsatz der 25 führenden Luxusmarken ist in China im Juli um mehr als zehn Prozent gesunken. Dies belegen Erhebungen dreier Marktforschungsinstitute, die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragt wurden.
Die Einbußen treffen die gesamte Branche, allen voran die europäischen Branchengrößen LVMH und Kering. Prestigeträchtige Marken wie Louis Vuitton, Dior, Gucci, Bottega Veneta und Balenciaga mussten laut den Berichten jeweils zweistellige Umsatzrückgänge im chinesischen Markt hinnehmen. Selbst das Traditionshaus Hermès, das zuvor noch zulegen konnte, drehte ins Minus. Bei weiteren Schwergewichten wie Chanel und Prada verlangsamte sich das Wachstum derweil deutlich.
Hinter der spürbaren Kaufzurückhaltung steht vor allem die verschärfte Finanz- und Steuerpolitik der Führung in Peking. Weil wohlhabende chinesische Bürger angesichts fallender Immobilienpreise verstärkt in ausländische Finanzanlagen ausgewichen waren, reagieren die Behörden nun mit strikteren Kontrollen beim grenzüberschreitenden Handel. Zudem fordert der chinesische Staat Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe auf Vermögen ein, die außerhalb des Landes gehalten werden.
Neben dem behördlichen Druck auf Vermögende drückt der allgemeine wirtschaftliche Abschwung auf die Kauflust. Insbesondere die Ausgaben der chinesischen Mittelschicht gehen spürbar zurück. Für die europäischen Luxusgüterkonzerne bedeutet das Ende des jahrelangen Nachfragebooms eine deutliche Anpassung ihrer Absatz- und Preisstrategien auf einem ihrer historisch wichtigsten Einzelmärkte.
Hinzu kommt, dass potentielle Neu- aber auch Bestandskunden immer häufiger Luxusgüter auf Second-Hand- Plattformen kaufen. Fans und Anhänger der Luxusmarken bemängeln häufig die schwindende Qualität von neuen Modellen und weichen auf "Pre-Loved" Produkte im gutem Zustand aus.
Laut aktuellen Medienberichten habe die Luxusmarke Gucci bereits den Preis für eine ihrer Handtaschen um circa 20-25 % reduziert. Ob weitere Preisanpassungen anderer Luxusmarken kommen werden, wird sich im weiteren Verlauf des Jahres zeigen.