Chinesische Automarken gewinnen in Europa rasant Marktanteile. Nun nehmen sie Deutschland ins Visier und erhöhen den Druck auf etablierte Hersteller und Händler.
Chinesische Automarken bauen ihre Position in Europa deutlich aus. Von Januar bis Juli entfielen laut einer Analyse des Handelsblatts auf Basis von Dataforce-Daten 8,7 Prozent der Neuzulassungen auf chinesische Marken. 2021 lag ihr Anteil noch bei 0,6 Prozent. Gegenüber 2024 hat er sich demnach nahezu verdreifacht.
Rund 780.000 Neuwagen in sieben Monaten
In den ersten sieben Monaten kamen laut Bericht rund 780.000 Neuwagen chinesischer Marken auf Europas Straßen. Damit erreichten die Hersteller bereits nahezu das Volumen des gesamten Jahres 2025. Ihre Präsenz bauten sie zunächst vor allem in Süd- und Osteuropa sowie in Großbritannien aus.
Die dort gesammelten Erfahrungen könnten den Herstellern helfen, ihre Aktivitäten in Deutschland auszuweiten. Der deutsche Pkw-Markt ist der größte Europas, zugleich gelten die Anforderungen als besonders hoch. Chinesische Anbieter müssen neben wettbewerbsfähigen Fahrzeugen auch Vertrauen, Vertrieb und Service etablieren.
Eine weitere Angabe aus dem Bericht verweist auf die Dynamik der Exportoffensive: In einer Bildunterschrift wird ein Anstieg der chinesischen Autoausfuhren im August um 78 Prozent genannt. Ein Vergleichszeitraum ist im vorliegenden Material jedoch nicht ausgewiesen. Die Zahl lässt sich daher nicht als vollständiger Jahresvergleich einordnen.
Wachsender Druck auf Europas Autobauer
In Industriekreisen wächst laut Handelsblatt die Sorge, dass sich der Markteintritt chinesischer Hersteller weiter beschleunigt. Ein intensiverer Preiswettbewerb könnte die Margen der ohnehin unter Druck stehenden europäischen Autobauer zusätzlich belasten.
Für Verbraucher kann die wachsende Zahl an Anbietern zunächst mehr Auswahl und stärkeren Wettbewerb bei Fahrzeugpreisen, Leasing und Finanzierungen bedeuten. Für Händler steigt zugleich die Komplexität. Sie müssen unter anderem prüfen, wie belastbar Lieferketten, Garantie- und Ersatzteilprozesse sowie Serviceangebote neuer Marken sind.
Welche europäischen Marken besonders stark betroffen sein werden, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht konkret ableiten. Fest steht jedoch: Mit den wachsenden Stückzahlen chinesischer Hersteller nimmt der Wettbewerbsdruck in Europa zu. Deutschland wird dabei zum entscheidenden Prüfstein für Markenvertrauen, Vertrieb und langfristige Marktpräsenz.