UniCredit hat laut dpa Zugriff auf fast 50 Prozent der Commerzbank-Anteile. Nun ringen Frankfurt, Berlin und Italien um den Sitz, Vorstand und dem Geschäftsmodell der Bank.
Ein schwieriges Unterfangen: An der Commerzbank-Übernahme stehen sich verschiedene Interessensvertreter gegenüber
Die Commerzbank soll in neue Hände gelegt werden. Die italienische Großbank UniCredit möchte sich, laut Angaben der dpa, Zugriff auf fast 50 Prozent der Commerzbank-Aktienanteile sichern. Das Land Hessen und der Bund mischen sich ein.
Hessen pocht auf Frankfurt
UniCredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit Längerem für eine Übernahme. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein traf Orcel und soll ihm dabei Forderungen der Landesregierung übermittelt haben. UniCredit bestätigte den Austausch und bezeichnete die Gespräche als konstruktiv.
Hessen verlangt demnach, dass der rechtliche Sitz und der Vorstand der Commerzbank in Frankfurt bleiben. Die Bank soll als Aktiengesellschaft deutschen Rechts fortbestehen. Wichtige Funktionen sollen weiterhin in Frankfurt angesiedelt werden. Zudem soll das Firmenkundengeschäft nicht an die HypoVereinsbank (HVB) übertragen werden, die zum UniCredit-Konzern gehört.
Bund bleibt wichtiger Aktionär
Auch der Bund ist in den Übernahmeprozess eingebunden. Er hält noch gut zwölf Prozent an der Commerzbank und ist damit der zweitgrößte Aktionär. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat Orcel laut Bericht für den 14. September zu einem Gespräch nach Berlin eingeladen.
Für Frankfurt steht damit der künftige Status als zentraler Standort der Commerzbank im Mittelpunkt. Zugleich gibt es Befürchtungen vor einer späteren Verschmelzung mit der HVB. In diesem Fall könnte auch München als möglicher Hauptsitz infrage kommen.
Milliardenersparnis und Stellenabbau
Orcel sieht bei einer Übernahme Einsparpotenzial in Milliardenhöhe. Im Raum stehen der Abbau Tausender Stellen und eine Verkleinerung des Auslandsnetzes. Die angekündigten Synergien erhöhen den Anpassungsdruck für Beschäftigte und Standorte.
Die Commerzbank versucht derweil, ihre eigenständige Position zu stärken. Ihr Gewinn stieg im zweiten Quartal 2026 im Jahresvergleich von 462 Millionen auf 898 Millionen Euro. Anfang August kündigte das Institut außerdem einen Aktienrückkauf von bis zu 1,2 Milliarden Euro an. Der Schritt soll den Aktienkurs stützen und die Unabhängigkeit der Bank sichern.
Ob aus UniCredits starker Ausgangsposition eine vollständige Übernahme oder eine andere Form der Integration entsteht, hängt weiterhin von den Gesprächen mit Aktionären, mit der Politik und den zuständigen Gremien ab.
Was passiert nach der Übernahme?
Es gibt noch keine konkreten Pläne dafür, was nach der Übernahme mit der Commerzbank, ihren Kunden und ihrem Angebot passiert. Es sind jedoch zwei Szenarien möglich: eine Integration mit der HypoVereinsbank und eine Teilübernahme durch Bund und Land.
Szenario 1: Vollständige Übernahme und eine schleichende Integration
Gelingt der UniCredit eine schrittweise Komplettübernahme mit späterer Verschmelzung von Commerzbank und HypoVereinsbank (HVB), ist langfristig mit deutlichen Konsolidierungen zu rechnen. Für Privatkunden könnte der Markenname Commerzbank mit der Zeit verschwinden, Filialnetze ausgedünnt und IT-Systeme vereinheitlicht werden, was womöglich mit neuen Banking-Apps, geänderten IBANs oder angepassten Gebührenmodellen einhergeht. Firmenkunden und der Mittelstand stünden vor der Herausforderung, dass bisherige Kreditlinien zusammengelegt oder gekürzt werden, um Klumpenrisiken der fusionierten Großbank zu vermeiden.
Szenario 2: Teilübernahme unter strengen politischen Auflagen
Setzen sich die Bundesregierung und die hessische Landesregierung durch, übernimmt UniCredit zwar die Mehrheit der Anteile, muss die Commerzbank aber als rechtlich eigenständige Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in Frankfurt weiterführen. In diesem Fall bleiben Kundenkonten, Verträge und das Filialnetz im Wesentlichen unverändert bestehen. Allerdings könnte der angekündigte Milliarden-Sparkurs der UniCredit zu Personaleinsparungen, einer Straffung des Produktsortiments sowie verlangsamten Servicezeiten führen, da das Management stark durch Integrationsprozesse auf Konzernebene gebunden wäre.