Die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR sollte Müll reduzieren, zwingt durch teure Registrierungspflichten jedoch immer mehr Händler zum Rückzug aus dem EU-Ausland.
Die europäische Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) sorgt im digitalen Handel für Ernüchterung. Anstatt den grenzüberschreitenden Warenverkehr im Binnenmarkt zu erleichtern, führt das Regelwerk in der Praxis dazu, dass zahlreiche Online-Händler den Versand in andere EU-Mitgliedstaaten vorerst stoppen oder geplante Expansionen aufgeben.
Das eigentliche Ziel der Reform ist unumstritten: Verpackungsmüll soll drastisch sinken, Schadstoffe in Kartonagen und Folien gehören verbannt und die Kreislaufwirtschaft soll gestärkt werden. Der Hauptkritikpunkt der Betriebe richtet sich daher nicht gegen die ökologischen Vorgaben, sondern gegen die bürokratischen Hürden in Artikel 45 Absatz 3 der Verordnung.
Händler werden sich nun genauer überlegen, ob sie ins Ausland expandieren wollen oder können
Bürokratiehürden durch länderspezifische Registrierungen
Die Vorschrift verlangt von Unternehmen, die Waren ins EU-Ausland liefern, eine gesonderte Registrierung in jedem einzelnen Zielland. Zudem sind Händler verpflichtet, in jedem Verkaufsland einen eigenen Bevollmächtigten zu benennen, der für die Einhaltung der PPWR bürgt und den nationalen Behörden als Ansprechpartner dient.
Für kleinere Betriebe und mittelständische Marken bedeutet diese Vorgabe einen enormen administrativen und finanziellen Mehraufwand:
- Hohe Fixkosten: Die laufenden Gebühren für externe Bevollmächtigte und lokale Compliance-Dienstleister übersteigen bei geringen Auslandsumsätzen oft die erzielte Marge.
- Erhöhter Verwaltungsaufwand: Händler müssen sich mit den spezifischen Vorgaben und Sprachbarrieren von bis zu 27 unterschiedlichen Registrierungsstellen auseinandersetzen.
- Faktische Marktbarrieren: Geplante Markteintritte in Länder wie Frankreich, Italien oder Spanien werden wirtschaftlich unattraktiv.
Rückzug statt europäischer Expansion
Die Konsequenz dieser Rechtslage ist ein schleichender Rückzug vieler Händler auf den Heimatmarkt. In den Shopsystemen werden internationale Lieferoptionen deaktiviert und Checkout-Routen für das EU-Ausland gesperrt. Was als Beitrag zur Nachhaltigkeit gedacht war, schränkt in der Praxis die Handelsfreiheit im europäischen Binnenmarkt ein und verringert für Verbraucher im Ausland die Auswahl an spezialisierten Produkten.