Frankreich führt ab September 2026 Aufschläge auf kurzlebige Kleidung ein und verbietet Werbung für Wegwerfmode. Betroffen sind vor allem Shein und Temu.
Auch Modehändler wie Zara, C&A und Co. könnten betroffen sein
Frankreich verschärft ab dem 1. September 2026 den Kampf gegen Ultra-Fast-Fashion. Für Kleidungsstücke, die bestimmte Kriterien erfüllen, werden Aufschläge fällig. Entscheidend sind unter anderem die Zahl der auf den Markt gebrachten Modelle sowie das Verhältnis des Verkaufspreises zu den Reparaturkosten. Die Regelungen zielen vor allem auf Geschäftsmodelle asiatischer Onlinehändler wie Shein und Temu.
Grundlage ist ein Anfang Juli verabschiedetes Gesetz. Es verbietet Werbung für Wegwerfmode zu betreiben. Unternehmen müssen ihre Kundinnen und Kunden Berichten zufolge zu Genügsamkeit, Wiederverwertung und Reparatur auffordern. Wie wirksam solche Hinweise sind, lässt sich allerdings nur schwer messen.
Aufschläge steigen bis 2030
Die geplanten Aufschläge sollen sich Jahr für Jahr staffeln. Zunächst sind Beträge von 50 Cent für Unterwäsche oder Socken vorgesehen, für eine Jacke können diese bis zu 12 Euro betragen. Für ein T-Shirt werden zwei Euro fällig, für eine Jeans neun Euro. Die Staffelung gilt bis zum Jahr 2030. Dann könnten laut Bericht etwa zwei Euro für Unterwäsche und 19,50 Euro für eine Jacke anfallen.
Die Einnahmen sollen in einen Fonds fließen, der vorbildliche Unternehmen unterstützt. Wie die Mittel verteilt werden, ist bislang offen. Die Kriterien sollen etablierte Ketten wie Zara, H&M oder Uniqlo, die in Frankreich Arbeitsplätze bieten, weniger stark treffen als Anbieter mit extrem hoher Modellzahl und kurzen Produktzyklen.
Frankreich reagiert auf wachsende Textilmengen
Der politische Druck ergibt sich aus der wachsenden Menge verkaufter und entsorgter Kleidung. Nach einem parlamentarischen Bericht werden in Frankreich jährlich 3,3 Milliarden Kleidungsstücke auf den Markt gebracht – eine Milliarde mehr als vor zehn Jahren. Pro Einwohner entfallen damit durchschnittlich 48 neue Kleidungsstücke im Jahr. Zwei Drittel der weggeworfenen Sachen wären demnach noch brauchbar. Offiziellen Angaben zufolge werden jährlich 600.000 Tonnen Textilien entsorgt.
Frankreich will mit den Aufschlägen langlebigere Produkte, Reparaturen und Wiederverwendung wirtschaftlich attraktiver machen. Für Händler und Plattformen entsteht zugleich eine neue Variable bei der Preisgestaltung. Sie könnten Mehrkosten weitergeben, Kollektionen bündeln oder ihr Sortiment für den französischen Markt anpassen.
Druck für SHEIN und Temu
Nach Angaben des französischen Zolls sind die Sendungen aus China zuletzt bereits um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen. Als ein Faktor werden EU-Abgaben auf Kleinsendungen genannt. Für Plattformen mit vielen kleinen Direktlieferungen steigen damit Kosten und Abwicklungsaufwand.
Die französischen Aufschläge gelten zunächst national, sind aber auch für deutsche Händler relevant, die nach Frankreich verkaufen. Sie müssen mögliche Produktklassifizierungen und neue Werbevorgaben berücksichtigen. Ob die Regeln einen dauerhaften Wandel bewirken, hängt letztlich von ihrer Kontrolle und der Verfügbarkeit bezahlbarer, langlebiger Alternativen ab.