Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung führt zur Zerschlagung der Hellweg-Gruppe. Während Filialen teils übernommen werden, schließen die Zentralen.
Rund zwei Monate nach den Anträgen auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Essen steht das Schicksal der Baumarktkette nun fest. Der gemeinsame Verbund von Hellweg und den BayWa Bau- & Gartenmärkten wird nicht als Ganzes fortgeführt. Das bundesweite Filialnetz wird stattdessen zerschlagen und an verschiedene Investoren sowie Wettbewerber veräußert.
Insgesamt umfasst das Filialnetz in Deutschland 114 Bau- und Gartenmärkte mit rund 4.200 Beschäftigten:
- Hellweg verfügt über 68 Standorte mit etwa 2.900 Mitarbeitern
- BayWa Bau- & Gartenmärkte dagegen 46 Standorte mit etwa 1.300 Mitarbeitern
Für zahlreiche Filialen liegen bereits konkrete Übernahmeangebote aus der Branche vor, zudem sind die Mitarbeitergehälter bis einschließlich November 2026 gesichert. Die übergeordneten Konzernstrukturen werden im Zuge der Verkäufe jedoch aufgelöst.
Aus für die Zentralen in Dortmund und Garching
Da potenzielle Übernehmer vor allem an den Verkaufsflächen interessiert sind und über eigene administrative Strukturen verfügen, werden die bisherigen Hauptsitze in Dortmund und Garching geschlossen. Rund 340 Verwaltungsangestellte in den Bereichen Einkauf, IT, Personal und Marketing verlieren ihre Arbeitsplätze. Da Investoren vor allem an den einzelnen Filialen interessiert sind und nicht am gesamten Konzern, werden diese Zentralfunktionen nicht weitergeführt.
Dass es auch anders geht, zeigt die österreichische Tochtergesellschaft. Mit sechs Standorten und 165 Beschäftigten durchläuft sie ein eigenständiges Sanierungsverfahren, bei dem eine Gläubigerquote von 30 Prozent angestrebt wird.
Hintergründe der Schieflage
Die Schieflage des Unternehmens ist das Resultat des Abflauen des Heimwerkerbooms. DIY-Projekte für das Zuhause waren vordergründig in der Pandemie äußerst beliebt. Ein Trend, der sich nach der Pandemie nicht fortgesetzt hat. Zudem traf diese auf die hohe Inflation und damit auf eine anhaltende Konsumzurückhaltung.
Neuordnung des deutschen Baumarktsegments
Die Aufteilung eröffnet konkurrierenden Handelsunternehmen wie Globus oder Bauhaus neue Marktchancen. Vor allem in Regionen wie dem Ruhrgebiet, dem Großraum Berlin und Süddeutschland können Wettbewerber ihre Standortnetze durch die Übernahme frei werdender Flächen gezielt erweitern. Für die Verbraucher bedeutet die Zerschlagung zugleich, dass der traditionsreiche Markenname Hellweg künftig weitgehend aus dem Straßenbild verschwinden dürfte.