Trockenheit, Niedrigwasser und anziehende Energiepreise treiben die Teuerung. Ökonomen warnen vor spürbaren Belastungen für Handel und Verbraucher bis zum Jahresende.
Die Verbraucherstimmung in Deutschland steht vor einer erneuten Bewährungsprobe. Nachdem die Teuerungsrate im Juli bereits auf 2,8 Prozent geklettert ist, warnen Volkswirte vor weiteren Preisschüben in den kommenden Monaten. Bis zum Dezember könnte die Inflationsrate nach aktuellen Prognosen sogar die Marke von fünf Prozent erreichen. Für die Konsumgüterwirtschaft und den Handel zeichnet sich damit ein spürbarer Dämpfer ab. Steigende Ausgaben für Grundbedürfnisse wie Miete, Versicherungen und Lebensmittel, schmälern die frei verfügbaren Einkommen von Privathaushalten.
Niedrigwasser und Ernteausfälle verteuern den Warenkorb
Verantwortlich für diese Entwicklung ist vor allem eine Anreihung von witterungsbedingten Problemen. Zum Einen ist da das anhaltende Niedrigwasser auf wichtigen Wasserstraßen, z. B. dem Rhein. Da Schiffe teils nur mit einem Bruchteil ihrer regulären Kapazität fahren können, entstehen Lieferengpässe und drastisch erhöhte Transportkosten, die über kurz oder lang an die Endverbraucher weitergegeben werden.
Gleichzeitig belastet diese extreme Trockenheit auch die heimische Landwirtschaft. Die Betriebe prognostizieren schlechtere Ernten und hohe Einbußen aufgrund der Dürre, was die Preise für Grundnahrungsmittel spürbar in die Höhe treiben könnte. Da Lebensmittel bei der Berechnung des Verbraucherpreisindex ein hohes statistisches Gewicht besitzen, schlagen diese Verteuerungen direkt auf die Gesamtinflation durch.
Warenkörbe werden in den kommenden Monaten deutlich leerer aussehen, davon gehen Volkswirte aus.
Geopolitische Konflikte verteuern Energie und Logistik
Verstärkt wird diese Entwicklung noch durch die prekäre Lage an den Rohstoffmärkten. Geopolitische Spannungen und Konflikte, unter anderem im Iran, haben zu einem spürbaren Anstieg der Rohölpreise geführt. Steigende Kraftstoff- und Energiekosten belasten die Betriebskosten der Handelslogistik und verringern den finanziellen Spielraum der Verbraucher weiter.
Für Händler und Marken stellt das vor große Herausforderungen. Steigende Beschaffungs- und Transportkosten treffen auf zunehmend preissensible Kunden. Im anstehenden Herbst- und Jahresendgeschäft dürften daher fokussierte Sortimente, preiseffiziente Eigenmarken und ein striktes Kostenmanagement entscheidend sein, um die Kaufbereitschaft stabil zu halten. Auch ein Blick auf die Produktionsmengen könnte jetzt schon ein guter Impuls sein.