Island stimmt am Samstag über neue EU-Beitrittsverhandlungen ab. Für Verbraucher steht viel auf dem Spiel: stabilere Preise, der Euro und mehr Wettbewerb.
Könnte Island ein EU-Mitglied werden? Darüber stimmen die Bürger am Samstag ab.
Island stimmt am Samstag über die Aufnahme neuer Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union ab. Für viele Isländer verbindet sich die politische Debatte mit einem konkreten Alltagsthema: Wie lassen sich die hohen und weiter steigenden Preise begrenzen? Zugleich wächst die Hoffnung auf mehr Währungsstabilität, günstigere Finanzierungen und Ängste nach einem stärkeren Wettbewerb.
Hohe Preise belasten die Kaufkraft
Das Preisniveau auf der Insel lag im vergangenen Jahr laut Bericht 73,5 Prozent über dem Durchschnitt der Europäischen Union. Besonders deutlich zeigt sich das in Reykjavík: Eine Tasse Filterkaffee kostet umgerechnet etwa fünf Euro, ein Hotdog 5,30 Euro. Für ein mittelgroßes Bier im Restaurant werden rund 13 Euro verlangt, eine Pizza Margherita kostet etwa 21 Euro.
Die Löhne in Island liegen zwar höher. Nach den von der ZEIT aufgegriffenen Angaben konsumierten die Isländer 2025 preisbereinigt 15 Prozent mehr als durchschnittliche EU-Bürger. Dennoch leiden viele Haushalte unter den hohen und weiter steigenden Preisen. Der isländischen Zentralbank gelingt es dem Bericht zufolge bislang nicht, die Inflation ausreichend einzudämmen.
Damit stehen die Einkommen zwar auf einem vergleichsweise hohen Niveau, zugleich bleiben Kaufkraft und Finanzierungskosten unter Druck. Preissteigerungen treffen Verbraucher direkt und erschweren Unternehmen die Kalkulation.
EU-Kurs als wirtschaftspolitische Richtungsentscheidung
Befürworter einer stärkeren Annäherung an die EU erhoffen sich mehr Preis- und Währungsstabilität sowie günstigere Finanzierungen. Viele verbinden einen möglichen EU-Beitritt langfristig mit der Einführung des Euro. Automatisch würde die gemeinsame Währung damit jedoch nicht eingeführt.
Ein Euro-Beitritt könnte aus Sicht der Befürworter Wechselkursrisiken verringern und den Handel mit europäischen Partnern erleichtern. Stabilere Rahmenbedingungen könnten zudem Finanzierungen besser planbar machen. Für Verbraucher würde eine gemeinsame Währung den Preisvergleich im europäischen Reise- und Onlinehandel vereinfachen. Die Währung allein würde die strukturell hohen Kosten Islands allerdings nicht beseitigen.
Ein EU-Beitritt bedeutet gleichzeitig auch mehr Wettbewerbsdruck für den Handel. Ein Faktor mit weitreichenden Folgen, da die Insel bisher abgeschottet und kaum Wettbewerbsdruck ausgesetzt war. Das Referendum wird damit auch zu einer Abstimmung über den wirtschaftspolitischen Kurs des Landes.
Chancen für Island - Chancen für den Rest Europas
Gleichzeitig würde aber auch der europäische Binnenmarkt profitieren können. Laut Daten von UN Comtrade aus dem Jahr 2024 zählen hochwertige Meeresfrüchte und Produkte aus dem Fischfang sowie Metalle wie Aluminium zu den zentralen Exportschlagern der Insel. Ein Beitritt sichert der EU den verlässlichen und zollfreien Zugang zu diesen wertvollen Gütern. Da Island im Gegenzug stark von Importen abhängig ist, ermöglicht die Marktöffnung den umliegenden EU-Ländern attraktive neue Kunden- und Zielgruppen, auch wenn die Insel nur eine Einwohnerzahl von knapp unter 350.000 Einwohnern hat.