Mehr als jedes zweite Logistikunternehmen nutzt bereits KI. Fehlendes Know-how, Sicherheitsbedenken und Zeitmangel bremsen jedoch den weiteren Ausbau.
Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Logistik offenbar vom Zukunftsthema zum praktischen Arbeitsinstrument geworden. Laut dem zugrunde liegenden Branchenbericht nutzt bereits mehr als jedes zweite Unternehmen KI-Anwendungen. Gleichzeitig erschweren fehlendes Know-how, Sicherheitsbedenken und knappe Zeit die weitere Digitalisierung.
Nutzung nimmt zu, Einordnung bleibt offen
Der genannte Anteil zeigt, dass KI in der Branche zunehmend praktisch eingesetzt wird. Wie tief die Technologie in den Unternehmen verankert ist, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Der Bericht nennt weder konkrete Anwendungsfelder noch Unternehmensgrößen oder Investitionssummen. Auch Angaben zur Erhebung und zur Definition von KI-Nutzung fehlen.
Zwischen einem einzelnen Test und einer dauerhaft eingesetzten Lösung in Lager, Einkauf oder Transport liegen erhebliche organisatorische Schritte. Entscheidend sind unter anderem die Datenqualität, vorhandene Schnittstellen und die Fähigkeit der Beschäftigten, Ergebnisse richtig einzuordnen. Bei Händlern mit mehreren Verkaufskanälen kommen unterschiedliche Systeme von Online-Shop, Marktplätzen, Filialen und Logistikpartnern hinzu.
Know-how wird zum Engpass
Fehlendes Wissen betrifft sowohl technische Fragen als auch das Prozessverständnis. Unternehmen müssen beurteilen können, welche Daten verwendet werden, wie zuverlässig eine Empfehlung ist und an welcher Stelle ein Mensch die Entscheidung prüft. Für kleine und mittlere Betriebe ist der Aufbau eigener Kompetenzen besonders anspruchsvoll.
- Technik: Datenquellen, Schnittstellen und IT-Sicherheit müssen zusammenpassen.
- Organisation: Ziele, Zuständigkeiten und Kontrollprozesse brauchen einen klaren Rahmen.
- Personal: Beschäftigte benötigen Zeit und Weiterbildung.
- Kontrolle: Ergebnisse müssen nachvollziehbar und korrigierbar bleiben.
Sicherheit und Zeitdruck bremsen
Logistikunternehmen verarbeiten Informationen zu Beständen, Lieferketten, Geschäftspartnern und teilweise zu Endkunden. Neue Softwareumgebungen werfen deshalb Fragen zu Zugriffsrechten, Speicherung und Verantwortlichkeit auf. Zugleich haben im Tagesgeschäft Lieferengpässe, Personaleinsatz und Kundenanfragen Vorrang.
Der Nutzungsanteil ist damit ein Signal für die wachsende Bedeutung von KI, aber kein Beleg für eine flächendeckende oder wirtschaftlich erfolgreiche Integration. Für eine belastbare Bewertung braucht es zusätzliche Angaben zu Erhebung, Nutzung und konkreten Hemmnissen. Klar ist bereits: Der nächste Digitalisierungsschritt erfordert nicht nur Technologie, sondern auch Zeit, klare Prozesse und qualifiziertes Personal.