CDs, Vinyl, DVDs und ältere Digitalkameras erleben bei jungen Streaming-Nutzern ein Comeback. Für Händler entsteht ein Geschäftsfeld zwischen digitalem Zugang und greifbarem Besitz.
Streaming hat den Zugang zu Musik, Filmen und Daten grundlegend verändert. Nutzer zahlen regelmäßig für die Verfügbarkeit, besitzen die Inhalte aber meist nicht. Ausgerechnet bei der Generation, die mit Spotify, Netflix und Cloud-Angeboten aufgewachsen ist, wächst laut HORIZONT nun das Interesse an physischen Produkten wie CDs, Vinyl und DVDs.
Besitz als Teil des Konsumerlebnisses
Der Reiz dieser Produkte liegt offenbar nicht allein in ihrer Funktion. Eine CD, Schallplatte oder DVD ist greifbar, bleibt im persönlichen Besitz und kann sichtbar Teil des eigenen Umfelds werden. Was im Streamingdienst mit wenigen Klicks verfügbar ist, erhält als Gegenstand eine andere Bedeutung.
HORIZONT beschreibt darin eine Gegenbewegung zur reinen Verfügbarkeit im Abo. Physische Datenträger können eine dauerhafte Verbindung zu Musik oder Film schaffen und Erinnerungen, Vorlieben sowie Zugehörigkeit ausdrücken. Für eine digital geprägte Generation kann das vermeintlich Alte damit einen symbolischen und möglicherweise identitätsstiftenden Wert bekommen.
Ältere Digitalkameras im neuen Licht
In dasselbe Muster fügt sich laut Bericht das Comeback älterer Digitalkameras ein. Geräte mit begrenzten Funktionen, eigenem Look und sichtbaren Gebrauchsspuren heben sich von der allgegenwärtigen Smartphone-Nutzung ab. Die Kamera wird dabei nicht nur als Technik, sondern auch als Gegenstand mit eigener Ästhetik und Geschichte wahrgenommen.
Für Händler kann daraus eine Nachfrage entstehen, die sich nicht allein über technische Daten erklären lässt. Fachhändler, Secondhand-Anbieter und Marktplätze könnten physische Medien und gebrauchte Elektronik stärker über Zustand, Herkunft, Editionen und Nutzungsszenarien präsentieren. Angaben zu Funktionsprüfung, Zubehör und Rückgabe bleiben dabei entscheidend.
Zwischen Abo und Eigentum
Für den Handel deutet die Entwicklung auf eine stärkere Ausdifferenzierung des Konsums hin. Digitale Abos und physische Einzelkäufe bedienen unterschiedliche Bedürfnisse: Das Abo bietet schnellen und platzsparenden Zugriff, der Kauf schafft Dauer, Sammelpotenzial und eine sichtbare Beziehung zum Produkt.
Belastbare Verkaufszahlen, Marktanteile oder Studien nennt der vorliegende Auszug jedoch nicht. Die Entwicklung ist deshalb als Beobachtung von HORIZONT einzuordnen, nicht als Prognose für den gesamten Medienhandel. Ob daraus ein breiter Marktimpuls entsteht, müssen weitere Daten zeigen.