Ausgaben von bis zu 50.000 Euro verschärfen die Debatte: Der vzbv fordert ein EU-Verbot manipulativer Lootbox-Mechaniken und besseren Schutz für Kinder.
Entwicklerstudios wie Ubisoft oder Electronic Arts stehen in der Kritik
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert verbindliche EU-Regeln gegen manipulative und suchtfördernde Mechanismen in Videospielen. Anlass sind 81 Erfahrungsberichte, die der Verband zwischen dem 23. März und dem 31. Juli gesammelt und zur Gamescom veröffentlicht hat.
Die Rückmeldungen beziehen sich laut Bericht auf 30 Spiele. Besonders häufig genannt werden „EA Sports FC" beziehungsweise „FIFA", „Counter-Strike" und „League of Legends". In drei Extremfällen berichten Spieler von Ausgaben von mehr als 10.000 Euro über 14 Jahre, rund 40.000 Euro über sieben Jahre und insgesamt 50.000 Euro. Der vzbv betont, dass es sich um anekdotische Angaben handelt. Aus Sicht des Verbands deuten sie dennoch auf einen größeren Branchentrend hin, bei sogenannte In-Game-Käufe einen wesentlichen Teil der Umsätze ausmachen.
Lootboxen und verschachtelte Währungen
Lootboxen enthalten digitale Gegenstände, deren konkrete Inhalte vor dem Kauf unbekannt sind. Der Verband sieht auch verschachtelte Währungen in Videospielen als problematisch an. Die Währungen wären so konzipiert, dass sie unpassende Kaufstückelungen und verbleibende Restguthaben fördern. Das rege weitere Käufe an und erschwert den Überblick über die tatsächlich getätigten Ausgaben.
Spieler berichten außerdem von sozialem Druck. Wer bestimmte Gegenstände oder Vorteile nicht kaufe, könne in Gruppen oder im Wettbewerb den Anschluss verlieren – ein Konzept das auch als 'Pay to Win' bekannt ist.
Der vzbv fordert deshalb, solche Mechanismen im Rahmen des geplanten Digital Fairness Act grundsätzlich zu verbieten oder standardmäßig zu deaktivieren. Kinder und Jugendliche sollen sie nach der Forderung des Verbands nicht selbst aktivieren können.
Milliardenmarkt mit unterschiedlichen Altersstufen
In Deutschland wurden 2024 laut Bericht rund 4,6 Milliarden Euro mit In-App- und In-Game-Käufen umgesetzt. Der Gesamtumsatz mit Videospielen lag demnach bei gut 5,5 Milliarden Euro.
Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) berücksichtigt Lootboxen seit der Novelle des Jugendschutzgesetzes von 2021 als mögliches Interaktionsrisiko. „EA Sports FC" wird seitdem laut Bericht ab 12 Jahren freigegeben. Das strengere europäische PEGI-System stuft Spiele mit Lootboxen seit Juni ab 16 Jahren ein.
Die EU-Kommission will ihren Entwurf für den Digital Fairness Act im vierten Quartal 2026 vorlegen. Welche konkreten Verbote oder Schutzvorgaben darin enthalten sein werden, ist bislang offen.