Meta hat einen radikalen KI-Umbau offenbar wenige Stunden vor der geplanten Bekanntgabe gestoppt. Der Fall zeigt die Grenzen schneller Automatisierung im Konzern.
Meta hat den geplanten radikalen Umbau zur KI-Plattform offenbar kurz vor dem Start gestoppt. Nach einem von heise online aufgegriffenen Bericht von Reuters wollte der Konzern unter dem Namen „Project OT" zahlreiche Abläufe neu organisieren und menschliche Tätigkeiten in großem Umfang durch KI-Systeme und KI-Agenten ersetzen.
Umbau in zwei Wellen geplant
Das Vorhaben sollte dem Bericht zufolge in zwei Phasen im Mai und November umgesetzt werden. In einzelnen Teams waren Einsparungen von bis zu 60 Prozent vorgesehen. Meta betonte gegenüber Reuters allerdings, dass damit nicht ein Abbau von 60 Prozent der gesamten Belegschaft gemeint gewesen sei. Zudem habe nicht jedes geprüfte Szenario umgesetzt werden sollen.
Mark Zuckerberg stoppte die Pläne laut Reuters am 20. Mai, wenige Stunden vor der geplanten Ankündigung. Statt des umfassenden Umbaus kündigte Meta die Entlassung von rund 8000 der etwa 75.000 Beschäftigten an. Weitere 7000 Mitarbeiter wurden demnach auf neue Positionen versetzt, um an KI-Werkzeugen und -Anwendungen zu arbeiten. Die für November geplante zweite Welle wurde gestrichen.
Ende Mai erklärte Zuckerberg laut Reuters, in diesem Jahr seien keine weiteren unternehmensweiten Entlassungen geplant. Im Juli räumte er dem Bericht zufolge Fehleinschätzungen beim Zeitplan und bei der Wirkung von KI ein.
Mehr Code, aber weniger Fortschritt
Als mögliche Gründe für die Kehrtwende nennt Reuters laut heise die wachsende Unzufriedenheit der Belegschaft sowie Probleme mit der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Systeme. Eine interne Umfrage habe einen Rückgang der Mitarbeiterzufriedenheit von 74 auf 55 Prozent gezeigt.
Auch die Produktivität habe nicht im gleichen Maß wie die erzeugte Arbeitsmenge zugenommen. Änderungen an internen Plattformen und der Infrastruktur seien um 220 Prozent gestiegen, Änderungen mit sichtbaren Verbesserungen für Nutzer jedoch nur um 36 Prozent.
Infrastrukturteams warnten dem Bericht zufolge vor unzuverlässiger KI-Programmierung und unkontrollierten KI-Agenten. Schwerwiegende technische und sicherheitsrelevante Vorfälle wie Ausfälle und Datenlecks seien im Jahresvergleich um 40 Prozent gestiegen. Der Zeitaufwand für deren Behebung habe zugleich um 70 Prozent zugenommen.
Große Rückschläge für Meta
Nachdem Anfang des Jahres bekannt wurde, dass das geplante Metaverse von Mark Zuckerberg offiziell eingestellt wird, ist das nun ein weiterer Rückschlag für den Tech-Giganten. Hier habe das Unternehmen ca. 70 Milliarden Dollar an einer virtuellen Online-Plattform, die an ein Computerspiel erinnert.
Auch stand Meta jüngst vor dem US Supreme Court und musste sich den Anschuldigungen stellen, dass seine Algorithmen Jugendliche süchtig mache. Erst letzte Woche hatten sich Meta und die Bundesstaaten bei einem Vergleich geeinigt.
Relevanz für Werbung und Handel
Händler und Werbetreibende sollten ein Auge auf diese Entwicklungen behalten, da Meta den Zugang zu wichtigen Zielgruppen bietet über den Meta Ads Manager. Geplante Änderungen an einer KI-gestützter Kampagnensteuerung, an der Zielgruppenauswahl oder Produktempfehlung können sich direkt auf die Effizienz ihrer digtal geschalteten Werbung auswirken.
Metas KI-Strategie ist jedoch damit nicht beendet. Der Bericht deutet darauf hin, dass der Konzern den vollständigen organisatorischen Bruch vorerst vermeidet und den Einsatz künstlicher Intelligenz stärker an Zuverlässigkeit, Sicherheit und sichtbarem Nutzen ausrichten muss.