Ein russischer Logistikdienstleister fordert die Unterstellung der Nestlé-Töchter unter staatliche Kontrolle. Dem Schweizer Konzern droht ein ähnliches Schicksal wie Danone.
Dem Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé droht der erzwungene Kontrollverlust über sein verbliebenes Russland-Geschäft. Auslöser ist ein Vorstoß des russischen Logistikunternehmens KS Logistika, das Präsident Wladimir Putin in einem Schreiben aufgefordert hat, fünf russische Tochtergesellschaften des Konzerns unter vorübergehende staatliche Verwaltung zu stellen. Die russische Regierung beabsichtigt, diesen Schritt bis zum Jahresende formell zu prüfen. Für den Nahrungsmittelhersteller steht damit viel auf dem Spiel – damit auch eine Struktur, die bislang weitgehend intakt war.
Carlsberg ereilte bereits ein solches Verfahren
Vorwand für einen späteren Eigentümerwechsel
Die Argumentation des russischen Logistikunternehmens folgt einem bekannten Muster: KS Logistika wirft Nestlé vor, bestehende Produktionskapazitäten vor Ort nicht weiter auszubauen und den Export von Erzeugnissen aus russischer Fertigung eingestellt zu haben. Was vordergründig wie eine industriepolitische Beschwerde wirkt, dient nach Einschätzung der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant vor allem als Hebel, um einen späteren Eigentümerwechsel einzuleiten.
Für Nestlé kommt dieser Vorstoß zu einer schwierigen Zeit. Das Unternehmen betreibt in Russland sechs Produktionsstätten, in denen unter anderem Kaffee, Tierfutter und Babynahrung hergestellt werden. Nestlé soll mitgeteilt haben, dass sie bislang nicht von staatlichen Stellen kontaktiert wurden. Die Fabriken arbeiten weiter und ein Rückzug sei derzeit nicht geplant.
Parallelen zu Danone und Carlsberg
Dass ein solches Verfahren schnell in einen faktischen Kontrollverlust münden kann, zeigen andere Fälle westlicher Unternehmen. Der französische Molkereikonzern Danone als auch die dänische Brauereigruppe Carlsberg verloren nach staatlichen Eingriffen die Kontrolle über ihre russischen Aktivitäten und verbuchten bei ihren späteren Ausstiegen Verluste in dreistelliger Millionen- bis Milliardenhöhe.
Russland steuert gegenwärtig rund zwei Prozent zum Konzernumsatz von Nestlé bei. Analysten von JPMorgan halten einen Verlust des Russland-Geschäfts für möglich und warnen davor, dass ein erzwungener Ausstieg mit geringem Verkaufserlös den Gewinn je Aktie um drei bis vier Prozent belasten könnte.