Hersteller langlebiger Konsumgüter planen trotz schwacher Nachfrage weitere Preiserhöhungen. Eine Studie warnt: Kunden könnten zu günstigeren Anbietern wechseln.
Trotz Absatzschwierigkeiten verzichten Händler auf Preissenkungen und riskieren weitere Umsatzeinbrüche
Hersteller langlebiger Konsumgüter in Deutschland setzen trotz schwacher Nachfrage weiter auf höhere Preise. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Simon-Kucher, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, haben 75 Prozent der befragten Unternehmen ihre Preise im vergangenen Jahr bereits angehoben. Weitere 67 Prozent planen dem Bericht zufolge eine nächste Erhöhungsrunde.
Betroffen sind unter anderem Möbel, Haushaltsgeräte und Elektronik. Die Strategie birgt erhebliche Absatzrisiken: Kunden könnten auf günstigere Anbieter ausweichen oder Anschaffungen verschieben. Ein sinkender Absatz würde den Margendruck bei Herstellern und Handel zusätzlich erhöhen.
Preiserhöhungen verschärfen das Absatzrisiko
Konkrete Angaben zu den Ursachen der geplanten Preiserhöhungen oder zur Höhe der Aufschläge enthält der vorliegende Bericht nicht. Die Zahlen zeigen jedoch, dass viele Unternehmen den Preishebel trotz der verhaltenen Nachfrage weiter nutzen wollen.
Bei langlebigen Konsumgütern besteht dabei ein besonderes Risiko. Verbraucher können ihre Kaufentscheidung häufig aufschieben oder zu preisgünstigeren Marken und Anbietern wechseln. Geht dadurch Absatz verloren, verteilen sich fixe Kosten auf weniger Verkäufe. Der Margendruck nimmt dann weiter zu.
Experten befürchten in diesem Zusammenhang eine Abwärtsspirale. Höhere Preise könnten den Absatz schwächen, während ein geringeres Volumen den Druck auf die Unternehmen weiter erhöht. Die Hersteller stehen damit vor der Herausforderung, höhere Erlöse pro verkauftem Produkt durchzusetzen, ohne Kunden und Absatzvolumen an Billiganbieter zu verlieren.
Spannungen zwischen Herstellern und Handel
Zusätzliche Spannungen drohen in den Verhandlungen zwischen Herstellern und Handel. Laut Studienautor Björn Dahmen treffen dabei unterschiedliche Prioritäten aufeinander. Weitere Details zu diesen Prioritäten nennt der vorliegende Bericht nicht.
Für den Handel wird es damit schwieriger, Preise wettbewerbsfähig zu halten und zugleich die Interessen der Hersteller zu berücksichtigen. Wie stark sich die geplanten Erhöhungen auf den Markt auswirken, hängt letztlich von der Höhe der Aufschläge, der Wettbewerbssituation und der Reaktion der Verbraucher ab. Die Studie macht jedoch deutlich, dass weitere Preiserhöhungen für viele Anbieter trotz schwacher Nachfrage auf der Agenda stehen.
Händler scheinen die aktuelle Marktlage nicht zu verstehen
Das anhaltend verhaltene Konsumklima stellt den Handel vor erhebliche Herausforderungen. Wie regelmäßige Erhebungen führender Wirtschaftsforschungsinstitute belegen, bleibt die Kaufneigung der Verbraucher spürbar gedämpft. Diese Entwicklung ist im Wesentlichen auf die verringerte Realkaufkraft der Haushalte zurückzuführen: Anhaltend hohe Aufwendungen für Benzin und Diesel sowie Nahrungsmittel erhöhen die monatlichen Fixkosten und verringern den Spielraum für weniger essenzielle Konsumausgaben oder Neunschaffungen.
Verstärkt wird diese Zurückhaltung durch die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit und einer hohen Inflation. Die Bevölkerung hält sich beim Konsum zurück aus Angst vor einer Wirtschaftskrise, weshalb das wenig vorhandene Geld nicht mehr in den Geldkreislauf fließt. All das sind Indikatoren, die dazu führen, dass sich die deutsche Wirtschaft in eine Krise bewegt.
Gleichzeitig stehen Händler jedoch vor einem betriebswirtschaftlichen Dilemma. Zwar verlangt die schwache Nachfrage nach preislichen Anreizen, sprich Preissenkungen, jedoch müssen auch sie die steigenden Kosten für Transport, Logistik und Betriebskosten an den Verbraucher weitertragen.