Ritter Sport überklebt bereits produzierte Verpackungen, weil EU-Vorgaben gegen Greenwashing einen Nachhaltigkeits-Claim nicht ausreichend belegt sehen.
Ritter Sport geht praktisch an die neue EU-Vorgaben ran
Ritter Sport überklebt seit mehreren Monaten Verpackungen bereits produzierter Schokoladentafeln mit Stickern. Unter dem Aufkleber verschwindet der jahrelang verwendete Claim „100 % zertifiziert nachhaltiger Kakaobezug".
Hintergrund ist die EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition" (EmpCo), die laut dem Unternehmen Ende September in Kraft tritt. Sie soll Greenwashing verhindern. Allgemeine Begriffe wie „umweltfreundlich" oder „nachhaltig" sollen künftig nur verwendet werden dürfen, wenn sie auf der Verpackung detailliert belegt sind.
Alte Folien werden weiter genutzt
Wie viele Packungen betroffen sind, konnte eine Sprecherin des Familienunternehmens laut Bericht nicht sagen. Der Relaunch der Verpackungsfolien sei bereits im Gange, lasse sich aber nicht innerhalb weniger Monate umsetzen.
Ritter Sport begründet das Überkleben damit, dass vorhandene Folien nicht vernichtet werden sollten. Der Sticker dient damit als Übergangslösung, bis die neuen Primärfolien vollständig eingesetzt werden können. Für Verbraucher kann das bedeuten, dass Tafeln derselben Marke vorübergehend mit unterschiedlichen Verpackungen im Handel liegen.
Neue Hinweise auf Vorder- und Rückseite
Auf der Vorderseite der neuen Primärfolien soll künftig der Hinweis „ohne Zusatz von Aromen" stehen. Der zertifizierte Kakaobezug bleibt Bestandteil der Kommunikation, soll auf der Rückseite aber weiterhin mit entsprechenden Erläuterungen versehen werden.
Damit wird die Nachhaltigkeitsaussage stärker in den erklärenden Kontext der Verpackung eingebettet. Entscheidend ist, dass Verbraucher nachvollziehen können, worauf sich der Hinweis konkret bezieht und welche Nachweise ihm zugrunde liegen.
Auswirkungen für Handel und Marken
Der Fall zeigt, dass neue Vorgaben gegen Greenwashing nicht nur die Gestaltung künftiger Verpackungen betreffen. Auch Lagerbestände, Produktbilder und Artikeldaten im Onlinehandel können betroffen sein. Händler sollten prüfen, ob Nachhaltigkeitsangaben in Produkttexten, Marktplatz-Listings und Werbemitteln weiterhin mit der jeweils ausgelieferten Verpackung übereinstimmen.
Für Hersteller und Händler steigt damit der Abstimmungsaufwand entlang der Vertriebskette. Verpackung, Produktdaten und Werbung müssen inhaltlich zusammenpassen. Das Überkleben hält bestehende Materialien im Umlauf, macht den Anpassungsprozess an die neuen EU-Vorgaben jedoch unmittelbar sichtbar.