Der Fast-Fashion-Konzern SHEIN muss sein Börsendebüt in Hongkong auf September vertagen und zugleich deutliche Abstriche bei der Bewertung hinnehmen.
Der Fast-Fashion-Konzern SHEIN muss seinen geplanten Börsengang an der Hong Kong Stock Exchange verschieben und zugleich die Bewertungserwartungen spürbar dämpfen. Nach Informationen der South China Morning Post führen zögerliche Aufträge institutioneller Investoren zu einer Anpassung des Zeitplans: Die Zeichnungsphase soll nun am 24. August starten, die Erstnotiz folgt voraussichtlich am 1. September. Die Gespräche über das endgültige Emissionsvolumen und die Ausgestaltung dauern noch an.
Investoren drücken den Ausgabepreis
Hinter der Verzögerung steht eine spürbare Skepsis auf dem Parkett. Hatte das Unternehmen ursprünglich eine Bewertung von mindestens 30 Milliarden US-Dollar angestrebt, gilt dieser Betrag mittlerweile als Obergrenze. Dies markiert einen drastischen Wertverlust gegenüber der Spitzenbewertung von knapp 100 Milliarden US-Dollar, die SHEIN noch im Jahr 2022 in privaten Finanzierungsrunden erzielt hatte. Um die Platzierung dennoch abzusichern, sollen insbesondere bestehende Anteilseigner sowie bankeigene Fonds als Ankerinvestoren eingebunden werden.
Verluste und regulatorischer Gegenwind
Hauptursache für die Zurückhaltung der Investoren ist eine schwächelnde operative Entwicklung. Zwar erwirtschaftete der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von mehr als 40 Milliarden US-Dollar noch einen Gewinn von über 2 Milliarden US-Dollar, rutschte jedoch im ersten Quartal 2026 mit einem Fehlbetrag von 99 Millionen US-Dollar in die roten Zahlen.
Zusätzlich gerät das Geschäftsmodell durch zunehmende regulatorische Hürden unter Druck. Sowohl der Wegfall der US-Zollbefreiung für Kleinsendungen als auch geplante Verschärfungen der Importregelungen in der Europäischen Union treffen das bisherige Modell des zollfreien Direktversands.
Frankreich hat bereits ein 'Fast-Fashion-Gesetz' auf den Weg gebracht. Auf EU-Ebene gibt es ebenfalls bereits formelle Verfahren und Prüfungen gegen SHEIN durch die EU-Kommission. All das sind Faktoren, die das Unternehmen belasten. In Deutschland fordert auch der Handelsverband HDE ein härteres Vorgehen gegen SHEIN.