Nach fünf Verhandlungsrunden gibt es im hessischen Einzel- und Versandhandel keinen Tarifabschluss. Ver.di kündigt weitere Arbeitskämpfe an.
Der Tarifstreit betrifft Beschäftigte in Filialen, Lagern und Versandzentren.
Im hessischen Einzel- und Versandhandel ist nach fünf Verhandlungsrunden weiterhin kein Tarifabschluss erreicht. Gewerkschaft und Arbeitgeber gingen am 25. August 2026 nach zwei Verhandlungstagen ohne Ergebnis auseinander. Betroffen sind rund 240.000 Beschäftigte. Die Tarifauseinandersetzung läuft seit Ende April, ein neuer Verhandlungstermin steht laut Bericht bislang noch nicht fest.
Streit um die unteren Entgeltgruppen
Streitpunkt der Verhandlungen sind die unteren Entgeltgruppen. Ver.di fordert gezielte Verbesserungen und kritisiert, die Arbeitgeber wollten diese nur akzeptieren, wenn die Erhöhungen für andere Beschäftigte geringer ausfielen.
Die Gewerkschaft verlangt 250 Euro mehr pro Monat in jeder Entgeltgruppe. Die Ausbildungsvergütungen sollen je Ausbildungsjahr um 150 Euro steigen. Vorgesehen ist eine Laufzeit von zwölf Monaten. Der geforderte Festbetrag würde niedrigere Einkommen prozentual stärker anheben als höhere Gehälter.
Das Arbeitgeberangebot sieht dagegen eine prozentuale Erhöhung vor: Die Entgelte sollen im ersten Tarifjahr um 2,4 Prozent und im zweiten um weitere 2,0 Prozent steigen. Die Laufzeit soll 24 Monate betragen. Der Handelsverband Hessen verweist auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit für die Unternehmen.
Weitere Arbeitskämpfe angekündigt
Nach dem Scheitern der fünften Runde hat ver.di weitere Arbeitskämpfe angekündigt. Eine kurzfristige Einigung ist laut Bericht derzeit nicht erkennbar. Die Tarifrunde könnte sich daher bis in den Herbst hineinziehen.
Grundsätzlich stehen sich ein Festbetrag und eine prozentuale Erhöhung gegenüber. Während ein Festbetrag die unteren Einkommen stärker begünstigen würde, bewahrt eine prozentuale Lösung die bisherigen Abstände zwischen den Entgeltgruppen weitgehend.
Die weiteren Arbeitskämpfe kommen den Händlern zu einer ungünstigen Zeit. Der Herbst ist eine Zeit, die im Einzelhandel von besonders hoher Bedeutung ist, da sich viele Händler nach einem ernüchternden Jahr noch Verbesserungen zum Ende der zweiten Jahreshälfte erhoffen: in der Vorweihnachtszeit und beim Weihnachtsgeschäft.
Abschluss im Groß- und Außenhandel
Im hessischen Groß- und Außenhandel wurde bereits ein Abschluss erzielt. Dort steigen die Entgelte rückwirkend zum 1. August um 2,9 Prozent und ab Mai 2027 um weitere 2,1 Prozent. Der Tarifbereich ist jedoch ein anderer und lässt sich nicht unmittelbar auf den Einzel- und Versandhandel übertragen.
Für den Einzel- und Versandhandel bleibt damit offen, wann die Tarifparteien ihre Verhandlungen fortsetzen und ob sie sich über einen Festbetrag, eine prozentuale Erhöhung oder eine Kombination aus beiden Elementen annähern.